14. Preisverleihung am 21. November 2011 im Linden-Museum Stuttgart

Preisträger 2011


Foto © hcl

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Grünes Shopping

Daniel Völpel (geb. 1978)

Erschienen in der Stuttgarter Zeitung, Kreis Ludwigsburg, 24. April 2010

Jetzt heißt es, den Goldregen sammeln, das Münzkraut zählen und das Stiefmütterchen anpumpen, denn heute steigt von 9 bis 12 Uhr beim Korntaler Bürgertreff in der Görlitzstraße 4 die Grüne Börse. Der Pflanzentausch-Flohmarkt ist traditionell das gesellschaftliche Ereignis im Ort. Wenn die Schwarzäugige Susanne den Markt mit der Glockenblume einläutet, machen Prinzess-Astern den Husarenköpfchen schöne Mädchenaugen - Männertreu hin oder her. Beim Klatschmohn tauscht man die neuesten Gerüchte aus, während das Fleißige Lieschen seine Prachtscharten auswetzt. Wem bei Frühlingswetter zu warm wird, der greift besser zu einem Sonnenhut. Denn Regenbogennelken sind nicht zu erwarten.

Wir warnen an dieser schattigen Stelle aber ausdrücklich davor, die Katzenminze im Sack zu kaufen oder einem Betrüger aufs Leimkraut zu gehen, nur weil er vom Tränenden Herzen jammert. Hier lohnt ein Blick in den Elfenspiegel, bei dem Männer gleich den korrekten Sitz ihres Bartfadens prüfen sollten. Zum Ende des Markts empfiehlt sich ein Nickerchen auf dem Blaukissen, bei kühlem Wind muss eine innere Stimme den Frauenmantel aber ermahnen: „Vergissmeinnicht!" Fauchende Löwenmäulchen sollten die Besucher nicht Fuchsien: Die Petunien nur so.

Aalen 21

Rafael Binkowski (geb. 1976)

Erschienen am 01. September 2010 in der Schwäbischen Post, Aalen

Geheime-Pläne aus, den Schubladen des Bahnvorstandes sind der Schwäbischen Post in die Hände gefallen. Demnach soll der Aalener Bahnhof unter die Erde verlegt werden, ins sumpfige Bett von Kocher und Aal. Dafür werden die vier Gleise auf zwei reduziert, es gibt eine direkte Intercity-Verbindung zum Flughafen Elchingen und zur Kontakta-Messe nach Heidenheim. Die frei werdenen Gleisgrundstücke werden zusammen mit dem Baustahlgelände weitere 25 Jahre brach liegen gelassen, dann kann sich Aalen erneut für die Landesgartenschau bewerben.
Dafür ist man künftig in 30 Sekunden am neuen ICE-Halt Wasseralfingen, fährt frei nach Edmund Stoiber mit dem Bahnhof in den Bahnhof, Schättere-Express düst über das alte, reaktivierte Viadukt am Kocherursprung. Im neuen ICE "Martin Gerlach" geht es über das Wasseralfingen Bergbähnle dann direkt an die europäische Magistrale Bratislawa-Aalen-Paris, ans Schnellbahnnetz. Ganz kühne Planer wollen sogar den Transrapid bringen und so Aalen mit Ellwangen verbinden
Schon regt sich Widerstand. Die Aalener Grünen recyceln die Transparente vom Protest gegen die Sondermüllverbrennungsanlage, Norbert Rehm sichert sich ein Grundstückszwickel auf den Gleisen, und Michael Fleischer will sich an den Fahrkartenautomaten anketten. "Kinder, Kinder, wohin soll das nur führen", staunt Albrecht Schmid. Und Karl Franke überschlägt schon mal, wann die Bahn insolvent geht. Zum Glück alles nur Pläne. Noch...

Schöne neue Flieder-Welt

Kai Müller (geb. 1978)

Erschienen am 06. November 2010 in der Filder-Zeitung, Lokalteil der STZ/STN

Die Wahrheit ist manchmal ganz schön bitter. Doch das muss nicht sein. Also wird der stinkende Müllplatz zum Recycling-Park. Wer zu dick ist, hat eine Rubensfigur und wer den Krieg sucht, findet „friedensstiftende Maßnahmen". Genau zuhören sollte ein Mitarbeiter, wenn sein Chef ihn vom Arbeitsalltag entlasten und ihm künftig mehr Freizeit gönnen will. Diese Art zu beschönigen, nennt man Euphemismus. Dabei handelt es sich meist um wenig ange­nehme Dinge, die in ein positives Licht gerückt werden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) freilich hat nun eine ganze neue Spielart entdeckt: Aus etwas Positivem wird noch etwas Positiveres gemacht. So findet sich an vielen Stellen in Möhringen derzeit die Ankündigung für eine Blutspendeaktion am 10. No­vember im Bürgerhaus. Das steht am Filderbahnplatz. Doch die DRK-Spracherneuerer haben daraus einen „Fliederbahnplatz" gemacht. Da fühlt man sich doch gleich an ein Blütenmeer erinnert. Eine sanfte Brise im Wind, Urlaub, Ruhe, Entspannung: Ach, ist das nicht herrlich. Da hat die ruhmreiche Filderbahn keine Chance.
Das Spiel lässt sich munter weitertreiben. Was ist schon Filderkraut gegen Fliederkraut, Filderklinik gegen Fliederklinik oder Fildorado gegen. Fliederado? Im Kopf entsteht schnell ein Bild von einem Ort, in dem Milch und Flieder fließen. Ein wahrhaftes Flieder-Paradies, in dem die Flieder-Zeitung mit blumigen Worten über Fliederstadt schreibt.
Doch das darf nur der Anfang sein. Das DRK hat noch viel zu tun, damit alles ein klein wenig schöner wird. Aus der Blumenstraße könnte man eine Orchideenallee machen, aus Steinenbronn ein Diamantenbronn und aus dem simplen Rohr eine glänzende Edelstahlöffnung. Es sind fast keine Grenzen gesetzt, obwohl es bei der Vaihinger Paradiesstraße schwierig werden wird. Aber das DRK wird es schon richten und die Flieder-Zeitung wird gern wieder darüber berichten, wenn die Lebensretter die Welt ein kleines bisscheri besser machen.